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ONE STOP REAL ESTATE
Ausgabe 25 / Dezember 2008

Der große Frust

Falschinformationen und überforderte
Callcenter machen Touristen das Leben schwer

Hans-Ludwig Hustädte und Begleiterin.

Nein, Sie können hier nicht für Ihren Flug einchecken“, sagt der Herr an der Rezeption des JW Marriott Hotels in der Sukhumvit Road in Bangkok mit professioneller Höflichkeit. Aber man merkt ihm an, dass es ihm zunehmend schwer fällt, die Contenance zu bewahren. „Dass man hier einchecken kann, gilt nur für Passagiere von Thai Airways. Die Medien verbreiten Falschinformationen“, sagt er mit dem Lächeln der Verzweiflung.

Auch in den anderen als „Eincheckcounter“ gepriesenen Hotels sind nur Thai-Airwayskunden willkommen. Und auch nur, wenn sie zuvor in einem der Citybüros ihre Flüge umgebucht haben. Das ist aber eine Qual. Vor den Büros bilden sich Schlangen, die Callcenter sind überlastet. Das Schicksal teilen Thai-Kunden mit Passagieren anderer Airlines. Drei Belgier auf dem Weg nach Bali haben sich vergeblich in ein Büro von Air Asia aufgemacht in der Hoffnung, Plätze auf einem der täglichen „Rettungsflüge“ des Billigfliegers nach Kuala Lumpur zu bekommen. Vergeblich. „Sie müssen unser Callcenter anrufen.“

Der Autor dieser Zeilen wollte seinen Flug mit Jetstar nach Singapur umbuchen. Leider ist auf der Webseite der Billigtochter von Qantas für Kunden in Thailand eine falsche Nummer angegeben. Also habe ich in Singapur angerufen und 45 Minuten lang hören müssen: „Alle unsere Mitarbeiter sind besetzt. Ihr Anruf ist uns wichtig.“ Wirklich?

Die mehr als 100.000 gestrandeten Touristen sind zunehmend verunsichert und verärgert über die Handhabung der Flughafenblockade durch Airlines und die thailändischen Behörden. Hans-Ludwig Hustädte musste letztlich Lufthansa in Deutschland anrufen, um Infos über Umbuchungsmöglichkeiten zu erhalten, weil das Lufthansabüro in Bangkok dazu nicht in der Lage war. „Die haben immer nur gesagt ‚Airport closed’ . Also haben wir in Deutschland angerufen. Das wird ne teure Handyrechnung“, klagt Hustädte.

Die beiden Düsseldorfer haben die Flughafenbesetzer in Aktion erlebt, als sie am Mittwoch von Phuket kommend auf dem Flughafen Don Muang gelandet waren. „Wir wurden von den Rebellen oder Demonstranten oder wie immer man diese Leute nennen soll, freundlich begrüßt. Aber uns war trotzdem komisch zu Mute, als wir zu unserer Sicherheit von einem Polizisten durch die Demonstranten hindurch zum Taxi geleitet wurden”, sagt Heike und fügt hinzu: „Der Pilot unseres Thai-Airways-Flugs hat uns über das Wetter in Bangkok informiert, nicht aber über die Situation am Flughafen. Das wäre wichtiger gewesen als die Info, dass es 30 Grad hat.“

Für Thailands Wirtschaft und Tourismus ist die Blockade der Flughäfen ein Tsunami. Alleine für den kurzen Rest des Jahres rechnet die Bank of Thailand mit einem Verlust für die Tourismusbranche von 150 Milliarden Baht. Das entspricht 1,5 Prozent des Bruttosozialprodukts. Der Imageschaden für Thailand ist immens und wird langfristige Auswirkungen auf Thailand als beliebteste Feriendestination in Südostasien haben. Mehr als 30 Länder haben ihren Bürgern dringend geraten, von Reisen nach Thailand abzusehen. Die britische Zeitung „The Telegraph“ hat Thailand zusammen mit Afghanistan, Irak, Tschetschenien und Sudan auf die Liste der 20 gefährlichsten Reiseländer gesetzt.

Der eiligst als Ersatz für Survarnabhumi hergerichtete Militärflughafen U-Tapao in der Nähe von Pattaya ist nicht in der Lage, den Massen von Menschen, Bussen, Autos und Taxen Herr zu werden. Passagiere sitzen unter freiem Himmel auf Plastikbänken oder liegen auf dem Rasen. Glücklich sind jene, die einen Platz im Schatten ergattert haben. Normalerweise kann der Flughafen 200 Passagiere pro Stunde abfertigen. Jetzt sind es 3000 Menschen pro Tag bei zwölf Abflügen und sechzehn Landungen (Stand Samstag 29.11.). Mehr als über das Chaos am Flughafen ist die Schweizerin Susanne Seis über die Abzockmentalität der Thais enttäuscht. „Taxis in Pattaya verlangen 1000 Baht und mehr für die Fahrt zum Flughafen. Das ist nicht richtig.“

Das sind Probleme, mit denen reiche Reisende sich nicht rumschlagen müssen. Passagiere der Business oder First Class genießen bei Thai Airways Vorzugsbehandlung und werden so schnell wie möglich ausgeflogen. Wer Geld oder einen großzügigen Arbeitgeber hat, der kann sich bei Nok Air oder der ASA Group einen Privatjet mieten. 510.000 Baht kostet dem Vernehmen nach der zweistündige Flug von U-Tapao nach Singapur in einem Privatjet von ASA. Für eine Boeing 737-400 für 147 Passagiere verlangt Nok Air 1,8 Millionen.

Daniel See, Manager des Boutique Hotels „Club One Seven“ in Patong Beach auf Phuket sieht mit großen Bauchschmerzen der bevorstehenden Hauptsaison entgegen. „Wir haben hier auf Phuket schon vor der Blockade von Suvarnabhumi wegen der Situation hier mit einer schlechten Hauptsaison gerechnet. Wir können nur hoffen, dass das Chaos in Bangkok nicht zulange dauert. Sonst werden viele kleine Tourismusunternehmen in den Konkurs gehen“, sagt See und fügt hinzu: „Thailand hat sein Image als „Land des Lächelns“ verloren.“

Beim Bier in einer Kneipe auf der Khao San Road tröstet sich Hustädte mit Galgenhumor über die missliche Lage hinweg. “Na ja, man könnte auch an schlimmeren Plätzen als Bangkok festsitzen. Zum Beispiel in Mumbai.“

Von Michael Lenz, Bangkok

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