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Ausgabe 09 / April 2009
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Es gilt: das Prinzip Hoffnung
Nach dem Ende der Gewalt ist Thailand vorerst zur Normalität zurückgekehrt

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Es wirkte fast ein bisschen so, als wolle sich Thailand für das schnelle Ende der Gewalttätigkeiten belohnen…. Die Regierung unter Premierminister Abhisit Vejjajiva hatte überraschend verkündet, die landesweiten, sechstägigen Ferien zum traditionellen Neujahrsfest Songkran um zwei Tage zu verlängern. Laut offizieller Begründung jedoch sollte die Maßnahme dazu dienen, um Gesetz und Ordnung wiederherzustellen sowie die beschädigten Einrichtungen und Straßen in Bangkok zu reparieren. Gleichzeitig war Thailand aus der Berichterstattung der internationalen Medien ebenso schnell wieder verschwunden, wie es durch den Abbruch des ASEAN-Gipfeltreffens im Royal-Cliff-Resort von Pattaya und die schweren Straßenschlachten von Bangkok hinein geraten war. Und auch die Reisewarnung für die Hauptstadt des Königreichs, die das Auswärtige Amt in Berlin am 13. April ausgesprochen hatte, war bereits am Tag darauf wieder aufgehoben worden. So kann es kaum verwundern, wenn die deutschen Reiseveranstalter weitaus weniger Einbußen im Geschäft mit Asien-Reisen prognostizieren als ursprünglich befürchtet worden war.
Straßenschlachten zum Songkran-Fest
Die jüngste Eskalation der politischen Situation in Thailand verband sich mit allerlei bizarren Blüten. Denn die Straßenschlachten entfielen exakt auf den Höhepunkt des Songkran-Festes, das den traditionellen, thailändischen Jahreswechsel markiert: Während die Sicherheitskräfte am 13. April begannen, an einigen Brennpunkten mit Wasserwerfern und Tränengaskanonen gegen Demonstranten vorzurücken, tobte im nahe gelegenen, legendären Touristenviertel Khao-Sarn-Road unter Einheimischen und Ausländern die alljährliche, feucht-fröhliche Wasserschlacht. Am folgenden Tag beugten sich die „Rothemden“, wie die Anhänger des im September 2006 vom Militär gestürzten, im Exil lebenden Premierministers Thaksin Shinawatras genannt werden, dem Druck der Sicherheitskräfte. Teilweise in kostenlos von der Regierung zur Verfügung gestellten Bussen begannen die Oppositionellen mit dem Abzug aus der Hauptstadt, wo sie seit rund zwei Wochen den Regierungssitz belagert und die Sicherheitskräfte zuletzt mit Brandsätzen und Wurfgeschossen attackiert hatten. Nach offiziellen Angaben haben die jüngsten Gewalttätigkeiten in Bangkok, deren Ende aber noch lange keine Lösung des schweren, politischen und gesellschaftlichen Konflikts im Königreich bedeutet, zwei Tote und 123 Verletzte gefordert.
Keine Einschränkungen für Touristen

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Angesichts der schlimmen Krawalle war erstmals in der Mediengeschichte Thailands im Fernsehen eine englischsprachige Botschaft für Ausländer ausgestrahlt worden, die zur Bewahrung der Ruhe aufrief. Gleichzeitig wurde versichert, dass die Armee dabei sei, wichtige Einrichtungen der Infrastruktur und den internationalen Flughafen zu sichern. Denn etliche Touristen hatten aus Angst vor einer neuerlichen Flughafenbesetzung und/oder sogar Schlimmerem erwogen, vorzeitig abzureisen. Doch derartige Bedenken zerstreuten sich schnell nach dem Ende der Straßenschlachten. Denn der für die Hauptstadt und einen Teil der angrenzenden Provinzen ausgerufene Notstand (State of Emergency), der die Versammlung von Personen aus mehr als fünf Menschen verbietet und die Befugnisse der Sicherheitskräfte bei Kontrollen erweitert, war mit keinerlei Ausgangssperre oder anderen Einschränkungen für Touristen verbunden. Auch die großen Einkaufspaläste Siam Paragon, Siam Center und Siam Discovery sowie das in der Nähe liegende Central World hatten bereits am Mittag des 14. April ihre Tore wieder geöffnet.
Sicherheitshinweise modifiziert
Das Auswärtige Amt in Berlin hatte der rasanten Entwicklung in Thailand schnell Rechnung getragen und seine Sicherheitshinweise für das Königreich, die am Ostermontag verschärft worden waren, längst wieder modifiziert. Diese hatten ursprünglich sogar vor „allen nicht notwendigen Reisen nach Bangkok“ gewarnt. Davon jedoch war schon am folgenden Tag keine Rede mehr, obwohl „noch nicht abzusehen ist, dass sich die Lage vollständig beruhigt hat“. Allerdings wird auf der Internet-Seite des Außenministeriums weiterhin geraten, Menschenansammlungen und etwaige, weitere Demonstrationen in Bangkok zu meiden. Das am 17. April von den thailändischen Medien vermeldete, schwere Attentat auf den prominenten Gelbhemden-Führer Sondhi hingegen hat keine explizite Erwähnung gefunden.
Stornierungswelle ausgeblieben
Die modifizierten Sicherheitshinweise scheinen dazu beigetragen zu haben, dass die ursprünglich befürchtete Stornierungswelle für Flüge und Reisen nach Thailand ausbleibt. Thailands Tourismusindustrie, an der fast zwei Millionen Arbeitsplätze und etwa sechs Prozent des Bruttoinlandsprodukts hängen, hatte nach der jüngsten Eskalation bereits Verluste in Höhe von 200 Milliarden Baht (ca. 4,5 Milliarden Euro) befürchtet. Diese Prognose zumindest gab Kongkrit Hiranyakit als Vorsitzender des Tourismusrats (Tourism Council of Thailand) ab, der seine Hoffnung auf eine schnelle, nachhaltige Gesundung des Fremdenverkehrs (nach der Besetzung des Suvarnabhumi-Aiports im November 2008) bereits durch das am 11. April von Demonstranten gestürmte ASEAN-Gipfeltreffens gemindert sah. Denn immerhin waren von dieser blamablen Aktion ausgerechnet die Regierungschefs der 15 Länder betroffen gewesen, aus denen bisher rund zwei Drittel bzw. 8,5 Millionen aller Thailand-Touristen stammen. Was den Urlauberstrom aus Deutschland angeht, so muss sich das Königreich offenbar weniger Sorgen machen: Führende Veranstalter wie die TUI, Neckermann, Thomas Cook oder Dertour ließen verlauten, dass sie ihre Thailand-Programme aufrecht erhalten, etwaige Umbuchungen kostenpflichtig seien – und es bisher auch so gut wie keine Stornierungen gegeben hätte.
Zweifelhafte Alternativen
Wenig hilfreich für die Tourismusbranche des Königreiches erscheint allerdings eine Nachberichterstattung der Medien, wie sie in einem Artikel vom 18. April auf dem Internetportal des Magazins „Stern“ nachzulesen ist. Dort wird unter der Überschrift „Alternativen zu Thailand – Traumstrände entdecken“ das Ausweichen auf Urlaubsziele wie die Tropen-Inseln Bali, Langkawi oder Borneo empfohlen und sogar auf den kambodschanischen Küstenort Sihanoukville, wo das Nachtleben angeblich „interessanter“ sein soll als im thailändischen Pattaya. Es bleibt zu hoffen, dass sich der Autor dieser Story doch einmal wieder auf den Weg nach Thailand macht – zum Beispiel, um sich einen etwas realistischeren Eindruck vom größten und bekanntesten Seebad Asiens zu verschaffen.
Volker Klinkmüller
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