GENIAL, GEMEIN UND GNADENLOS
Wie sich „Der Spiegel“ mit Pattaya befasst hat

In seiner Ausgabe Nr.13-2009 hatte das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ Pattaya stattliche sechs Seiten gewidmet.
|
Weiß beim „Spiegel“ in Hamburg die rechte Hand nicht mehr, was die linke gerade schreibt?
Oder wie soll man sonst verstehen, wenn es am 9. März diesen Jahres in der Online-Ausgabe heißt „Neuer Glanz für Thailands Schmuddelkind“ und wenn zwei Wochen später in der Ausgabe Nr. 13 vom 23.3.09 der Gesellschafts-Reporter Alexander Osang diesen Artikel konterkariert mit seiner Knall-Story „Tod im Paradies“?
Er beschreibt die Senioren, die er hier während seines zehntägigen Aufenthaltes in einem von Deutschen bewohnten Condominium kennengelernt haben will, als überwiegend saufende, vögelnde und halbverblödete Gesellschaft, zerstritten, gelangweilt, abgefüllt mit Schnaps, Viagra und Zigaretten-Qualm.
Was könnte dieser Reporter nicht alles schreiben, wenn er sich mal zehn Tage in einer Pension am Hamburger Hansa-Platz einquartiert hätte, wo am helllichten Tag, überall sichtbar, gedealt, gekifft und gespritzt wird, wo die Nutten schon mittags vollgedröhnt an den Häuserwänden Halt suchen, während die Senioren in ihrer Mansarde frieren und sich wegen der Kälte oder aus Angst vor Übergriffen nicht aus dem Haus trauen?
Es ist ja nicht so, dass Herr Osang die Geschichten, die er in seiner Story beschreibt, und die zwar boshaft aber nicht ohne Witz sind, (vielleicht auch etwas neidisch?) einfach erfunden hätte. Nein, er hat sie gesucht und gefunden.
Wäre er in andere Condos gegangen, hätte er leicht andere Senioren kennenlernen können, Frauen und Männer, die sich sinnvoll zu beschäftigen wissen, die das warme Wetter, das gute Essen und die günstigen Preise genießen. Das sind zum Beispiel Menschen, die sich bei den Rotariern engagieren oder im Expat-Club, die als ausländische Volontäre die hiesige Polizei unterstützen, die thailändischen Waisenkindern Englisch-Unterricht erteilen oder im Heim für HIV-infizierte Kinder aushelfen. Er hätte die Damen der „Plauderstunde“ kennenlernen können, die sich zum persönlichen Austausch treffen, aber auch um Hilfsprojekte zu planen und zu realisieren. Und er hätte vielen anderen Pensionären begegnen können, die ins Theater oder Konzert nach Bangkok fahren, durchs Land reisen, um die Sehenswürdigkeiten Thailands zu besichtigen, denn all das ist hier, auch mit einer geringen Rente, möglich. Es gibt in Pattaya Galerien und Kunstausstellungen, Sport-Clubs, Bridge- und Skat-Clubs…
All das hätte Herr Osang hier in Pattaya finden können, wenn er es denn gewollt hätte. Aber das wollte er ja gar nicht und hat deswegen danach nicht gesucht. Er hat seinen Beruf schließlich gelernt. Und da heißt das oberste Gebot: Good News Are Bad News.
Alles klar?
Alles klar!
(Carlos)
|