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ONE STOP REAL ESTATE
Ausgabe 09 / April 2008

Der teure Tod eines Angehörigen in Thailand - worauf man achten sollte

Liz Luxen’s Rat: Im Zweifelsfall überflüssige und teure Transporte der Leiche vermeiden

Der letzte Weg in Thailand ist zumeist eine buddhistische Trauerzeremonie in einem Tempel mit anschliessender Einäscherung. Weite Transportkosten können dabei leicht die Gesamtbestattung finanziell in den Schatten stellen.

Samui. Das Thema ist heikel und doch lebensnah. Wenn einen Touristen oder Expat der Tod in Thailand ereilt, ist oft nicht nur guter Rat teuer, sondern auch die gesamte Prozedur. Was passiert mit den sterblichen Überresten, wieviel kostet eine hier übliche Feuerbestattung, an wen kann ich mich wenden, worauf sollte man achten, um unnötige Kosten zu vermeiden? - Liz Luxen beschreibt in der heutigen Folge der FARANG-Kolumne anhand von zwei Schicksalen auf Koh Samui, wie solche Fälle in der Realität aussehen können.

Fall 1: Engländer (26) starb bereits am ersten Urlaubstag

Voller Tatendrang flogen zwei englische Freunde (26, 28) im November vergangenen Jahres um 20 Uhr auf Koh Samui ein. In ihrem Urlaubsort Baan Bang Rak genehmigten sie sich schnell noch ein paar Bierchen und legten sich dann im Hotel zur Ruhe. Leichtsinnigerweise halfen sie wegen des Jetlegs mit Schlaftabletten nach. Das hatte schlimme Folgen. Am nächsten Morgen fand der eine Brite seinen 26jährigen Kumpel tot neben sich. Der junge Urlauber war am eigenen Erbrochenen erstickt.

Der englische Honorarkonsul schaltete zur Betreuung des völlig konsternierten Reisegefährten Liz Luxen ein. Neben moralischer Schützenhilfe übernahm sie tags darauf auch das Übersetzen der Sterbeurkunde bei der Polizei. Dann sei plötzlich ein weisser Kastenwagen eines Bangkoker Bestattungsinstitutes an der Leichenhalle des Nathon Hospitals vorgefahren und habe den Leichnam zum Transport in die 700 Kilometer entfernte Hauptstadt aufgeladen.

Liz: “Wer das veranlasst hat, konnte ich nicht mehr erfahren. Ich weiss nur, dass alleine dieser Transport um ein Vielfaches teurer kommt als die gesamte Bestattungsprozedur in Koh Samui.” Und in Bangkok sei die Leiche dann vor der Rückführung ebenfalls eingeäschert worden.

Dass das Geschäft mit Beerdigungen weltweit ebenso lukrativ wie hart umkämpft ist, bildet in Thailand keine Ausnahme. Für die Angehörigen sei die Art der Bestattung und vor allem der Ort eine bedeutsame Entscheidung - insbesondere finanziell, sagt Liz Luxen. Ihrer Kalkulation zufolge kostet eine buddhistische Trauerfeier inklusive aller Gebühren, Transporte und der Einäscherung im Tempel etwa 1.000 Euro. “Das kann sich je nach Art der Ausstattung nach oben verändern”, erläutert Liz Luxen, “mit diesem Grundbetrag liegt man aber relativ nahe an der Endsumme.”

Sie weiss, dass dies ein sehr heikles Thema ist. Auf der anderen Seite nimmt Liz aber kein Blatt vor den Mund, zumal sie selbst im Auftrag von Angehörigen Bestattungen von A bis Z organisiert hat. Als der Brite Lesley J. Hyde (63) Ende März in Samui bei einer Bergwanderung starb, schaltete der Honorarkonsul Dave Covey Liz ein. Ein Bekannter des Verstorbenen, der auf Samui lebt, hatte zwischenzeitlich auch die beiden Söhne in England kontaktiert. Der Rest war Routine.

Für das Aufbewahren der Leiche im Kühlfach des staatlichen Krankenhauses Nathon fallen laut Liz täglich 600 Baht Gebühren an. Zur buddhistischen Bestattung in einem der grösseren Tempel mit Hochofen wird der Leichnam in einem Holzsarg überführt und dort in einem Kühlsarg zwischengelagert. Die Trauerfeier mit mindestens vier Mönchen gehört zum Gesamtpaket eines letzten Geleites. Auch die nötigen Papiere, wie eine übersetzte Sterbeurkunde.

Am Abend holte Liz Luxen die Urne im Tempel ab und brachte sie reisefertig verpackt bei den Söhnen von Lesley Hyde im Hotel in Chaweng vorbei. Die beiden hatten nur einen Tag Zeit für die gesamten Feierlichkeiten gehabt und flogen am nächsten Morgen mit der Asche des Vaters nach England zurück. Kosten: 50.000 Baht für den gesamten Service und die frei Hotel gelieferte Urne.

Liz will keinesfalls Werbung für sich als „Bestattungsunternehmerin“ machen. Ihr liegt viel mehr daran, dass Angehörige mit wenig Geld nicht auch noch unnötig zur Kasse gebeten werden, wenn sie in Thailand ein Familienmitglied verlieren. “Ich kann niemandem die Entscheidung abnehmen, auf welche Art er sich verabschieden will oder ob gar der gesamte Leichnam in die Heimat überführt werden soll”, sagt sie.

“Wer sich jedoch für eine Feuerbestattung entscheidet, sollte horrende Transportkosten vermeiden, wenn die Leiche dann in Bangkok doch nur eingeäschert wird.” Oft könne man nicht mal erfahren, ob überhaupt eine Trauerfeier stattgefunden hat, wenn keine Angehörigen vor Ort seien. Liz Luxen kennt Fälle, in denen sich Verwandte scheuten, die weite Reise nach Thailand anzutreten. Sie bezahlten mehrere tausend Euro und wussten nicht einmal genau wofür.

Fall 2: Der verzweifelte Kampf um das entzogene Kind…

Wenn die Beziehung mit dem thailändischen Partner zerbricht und auch noch gemeinsame Kinder im Spiel sind, steht am Ende häufig ein Nervenkrieg mit ziemlich gewissem Ausgang: das Kind ist verschwunden und Vater/Mutter suchen in Thailand nach der Stecknadel im Heuhaufen.

Der kleine Benjamin (8) aus Münster, in Westfalen geboren, ist seit zwei Jahren wie vom Erdboden verschluckt. Vater Herbert und seine damalige Ehefrau Faasai lebten neun Jahre zusammen in Deutschland. Als die Ehe scheiterte, nahm die Mutter den Jungen mit nach Thailand und tauchte unter. Mit seinem Fall, respektive der Erteilung des Sorgerechtes, setzt sich seither das Amtsgericht Münster auseinander.

Die Oma von Benjamin lebt auf Koh Samui und hat sich mit Leib und Seele diesem Kampf gewidmet. Sie wünscht sich sehnlichst, dass ihr Sohn das Kind nach Deutschland zurückbringen und einer standesgemässen Erziehung zuführen kann, schildert Liz Luxen. Da die zuständigen Familiengerichte in Deutschland manchmal sehr blauäugig über die Zustände in Thailand informiert seien, habe die Grossmutter den deutschen Honorarkonsul auf Phuket und auch sie um eine Expertise gebeten, sagt Liz.

Welche Chancen ein deutsches Kind habe, wenn es die Mutter im Dorf im Isaan verstecke, könne sich jeder hier in Thailand lebende Ausländer ausmalen. Für einen deutschen Familienrichter sei dies hingegen sehr abstrakt. Dass manche Kinder im dörflichen Bereich des Isaan schlechten hygienischen Verhältnissen ausgesetzt seien und die Schulbildung kaum als solche zu bezeichnen sei, könnte bei deutschen Richtern ein Umdenken zur Folge haben.

Ob dies bei Benjamin zum Erfolg führt, ist offen. Sollte das Amtsgericht in Münster zugunsten des Vaters entscheiden, hätte der zumindest eine rechtliche Handhabe, seinen Sohn aus Thailand zurückzuholen. - Bei einer aus Monaco stammenden älteren Dame, die zeitweise in Lamai lebt, scheint dieser Zug abgefahren. Jahrelang hatte sie im Auftrag ihres Sohnes wie eine Löwin um dessen Tochter gekämpft. Das Mädchen, mittlerweile im Teenageralter, war in der Gegend von Buriram von ihrer leiblichen Mutter versteckt worden.

Als endlich eine gerichtliche Entscheidung erzwungen werden konnte, war die Entfremdung zu gross geworden. Das Mädchen, nur noch der Thaisprache mächtig, wollte ganz einfach bei ihrer Mutter bleiben. Die Oma gab ihren Kampf enttäuscht auf.

Liz sagt: “Ein trauriges, aber häufiges Ende. Ich kann hier nur einen Rat geben. Wenn Spannungen in einer thai-europäischen Beziehung bestehen, sollte man mit Auslandsreisen der Partnerin/des Partners sehr misstrauisch umgehen.” Liz Luxen ist mit drei einschlägigen Fällen beschäftigt. Keiner davon verspricht derzeit schnelle Aussicht auf Erfolg.

Mit dieser regelmässigen Kolumne will DER FARANG nicht nur aktuelle Fälle aufzeigen, sondern auch wichtige Tips geben, wie man Ärger vermeidet und im Notfall am besten ans rettende Ufer gelangt. Liz Luxen (42), die auf Samui einen Notservice für Ausländer betreibt, gibt hierzu professionelle Ratschläge. Die Düsseldorferin spricht und schreibt perfekt in der thailändischen Sprache und besitzt beste Kontakte zu den wichtigen Behörden: www.liz-luxen.com Telefon.: +66 (0) 89-473.2038.

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